Klahr    Alfred Klahr Gesellschaft

Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung

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Eduard Szlovak (1911–2006)

Ein Arbeiter aus Wien-Favoriten lieferte noch im Jahr 1938 im Auftrag der sowjetischen Regierung Waffen für die seit Juli 1936 gegen die Faschisten kämpfenden spanischen Republikaner. Dieser Arbeiter war Eduard Szlovak, der 95-jährig am 13. August 2006 in Wien verstarb. Er war als Mitglied des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes aktiv an den Kämpfen gegen die Heimwehr am 12. Februar 1934 beteiligt. Er verteidigte mit anderen Arbeitern im Wiener 10. Bezirk den Quellenhof am Laaerberg gegen die Heimwehr, sie mussten aber wegen Waffenmangel und fehlender Unterstützung aufgeben. Nicht nur dort, sondern in ganz Wien und im übrigen Österreich scheiterte der Versuch der Arbeiter, den sich formierenden Faschismus zu bekämpfen – nicht nur, weil der Republikanische Schutzbund von der Führung nicht genügend Waffen und Munition ausgehändigt bekam, sondern weil die Führung der Sozialdemokratischen Partei selbst die Arbeiter im Stich ließ. Nach der Niederlage wurden viele Schutzbundkämpfer verhaftet, manche getötet, viele konnten fliehen und sich verstecken. Eduard Szlovak gelang es, sich durch die Unterstützung der Roten Hilfe illegal über die tschechische Grenze in der CSR in Sicherheit zu bringen. Wie viele andere Schutzbundkämpfer trat auch er dort der Kommunistischen Partei bei. Die Sowjetunion bot einigen hundert Schutzbundkämpfern Asyl an, und Eduard Szlovak entschied sich, Charkow in der Ukraine als Zufluchtsort zu wählen. Er arbeitete dort im Traktorenwerk als Dreher, Schlosser und Fräser, besuchte am Abend Fortbildungskurse, war Mitglied des Mandolinenorchesters und nahm am gesellschaftlichen Leben der dort lebenden Schutzbundkämpfer teil.
1938 trat die KPdSU an ihn heran, ob er nicht nach Spanien fahren wolle, die Spanische Republik gegen die Faschisten zu unterstützen. Man wollte ihn zwar als Facharbeiter im Betrieb nicht verlieren und stellte es ihm frei, aber er entschied sich doch, zu fahren. Jedoch nicht im Rahmen der Internationalen Brigaden, sondern als Verantwortlicher für einen Waffentransport. Von Odessa fuhr er mit einer multinationalen Mannschaft in einem Unterseeboot durch das Schwarze Meer und das Mittelmeer nach Spanien. Es war eine gefährliche Fahrt, das Boot wurde im Mittelmeer von den Italienern beschossen und beschädigt. Aber sie landeten trotzdem im Hafen von Alicante und lieferten die Waffen ab. Das Unterseeboot wurde repariert, und zwei Wochen später fuhren sie dieselbe Strecke ohne Zwischenfall zurück, obwohl das Boot wieder unter Beschuss kam. Eduard erhielt für diese gelungene, gefährliche Aktion als Anerkennung ein sowjetisches Verdienstabzeichen.
Nach dem überraschenden Überfall Hitlers auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurden beim schnellen Vormarsch der Wehrmacht in der Ukraine Dörfer niedergebrannt, Menschen ermordet, viele Betriebe zerstört. Auch die Traktorenfabrik in Charkow wurde beschädigt. Trotzdem wurde der ganze Betrieb mit allen Maschinen und der Belegschaft Ende September 1941 nach Stalingrad evakuiert. Eduard Szlovak kam dort Anfang Oktober 1941 an, er arbeitete im Militärbetrieb Nr. 264, in der Abteilung 550. Von Stalingrad wurde der Betrieb weiter in den Osten verlegt, nach Nowosibirsk und dann in das Gebiet Altai, wo er in der Stadt Rubzowsk aufgebaut wurde. Obwohl Ersatzteile und einfachstes Arbeitsmaterial fehlten, wurde er wieder in Betrieb genommen. Im April 1942 kam Eduard Szlovak in der Stadt an und arbeitete bis Kriegsende in dem Betrieb. Nach Kriegsende lebte er wieder in Charkow und fertigte in dem dort wieder zurück transportierten und aufgebauten Traktorenwerk an der Drehbank dringend benötigte Ersatzteile für Traktoren an. Im Oktober 1948 kam er schließlich wieder nach Wien zurück. Erst viel später wurden er und andere Widerstandskämpfer gegen den Faschismus von der Republik Österreich durch eine Verdienst-Medaille geehrt. Eine Entschädigung durch den Nationalfonds erhielt er aber nicht.

Charlotte Rombach

Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 3/2006

 

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