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Fred Wander und sein Werk
Als einen der „eindruckvollsten und bedeutendsten Autoren der deutschen
Nachkriegsliteratur“ charakterisieren Walter Grünzweig und Ursula Seeber, die
Herausgeber von „Fred Wander und sein Werk“, den österreichischen Schriftsteller
und Journalisten. Die im Weidle-Verlag erschienenen Band versammelten Aufsätze
behandeln verschiedene Aspekte der Biographie und des literarischen Schaffens
Fred Wanders: Seine Romane und Theaterstücke sind ebenso Thema wie seine
journalistische Tätigkeit im Wien der Nachkriegszeit oder seine Jugend- und
Reisebücher. Die Aufsätze vermitteln ein lebendiges Bild vom kreativen Schaffen
des Schriftstellers und des Menschen Fred Wander, der durch die Hölle der
Konzentrationslager gegangen ist. Ergänzt wird der Band durch ein Gespräch mit
Wander und eine Bibliographie seiner Werke.
Fred Wander wurde 1917 in Wien geboren. Nach 1938 musste er fliehen und lebte
dann in Frankreich. Nach der deutschen Besetzung wurde er interniert und vom
berüchtigten Lager Drancy nach Auschwitz deportiert. Am Ende erlebte er den
tagelangen qualvollen Marsch, die „Übersiedlung“ tausender Häftlinge nach
Buchenwald. Nach der Befreiung vom KZ Buchenwald kam Wander 1945 nach Wien
zurück. Er arbeitete als Fotograf und Reporter vor allem für die KPÖ-nahe
Presse, u.a. für die Stimme der Frau, die Volksstimme, den Abend, das Tagebuch,
aber auch für das Neue Österreich. „Dem einfachen Menschen in seinem schweren
Kampf gegen die Starken und Mächtigen beizustehen“ war Inhalt der vielen
Reportagen, Kurzgeschichten und Romane, so Christine Schmidjell in ihrem Beitrag
über die „Wiener Reporterjahre“ Wanders.
1955 ging Wander mit seiner Frau Maxie (geb. Brunner) in die DDR, weil er in
Österreich von der Schriftstellerei nicht leben konnte. Hier lebte er als
anerkannter und geachteter Schriftsteller. Zwischen 1962 und 1964 machte er
zahlreiche Reisen und schrieb gemeinsam mit seiner Frau verschiedene
Reisebücher. 1982 kam er nach ihrem Tod nach Wien zurück, wo er auch heute lebt.
In der DDR schrieb Wander sein zentralstes Buch „Der siebente Brunnen“, in dem
er seine Lagererfahrungen erzählt. Wander beschreibt die unvorstellbaren Leiden,
Demütigungen und Grausamkeiten, denen die KZ-Häftlinge ausgesetzt waren, und
gibt auch einen Einblick in den Gemütszustand der rohen, unbarmherzigen
„Gestiefelten“, wie er die SS-Wächter nennt, zu deren Unterhaltung das Quälen
und Töten der Gefangenen gehörte. In dieser Erzählung hat er in
unvergleichlicher und aufwühlender Weise seine bitteren Lagererfahrungen
verarbeitet: „Der so oft beschworene Mensch steht hier wirklich im Mittelpunkt,
in der schrecklichen Freiheit von allen äußeren Hilfen, ohne Trost dem Tode
ausgeliefert“, schreibt Wolfgang Trampe, Wanders Verlagslektor. „Der siebente
Brunnen“ erschien zuerst 1971, in diesem Jahr ist er im Wallstein-Verlag neu
aufgelegt worden.
Mehr als vieles Andere passt das Erscheinen des Buches „Fred Wander und sein
Werk“ und die Neuauflage von „Der siebente Brunnen“ in das zu Ende gehende
Gedenkjahr. Mögen beide Bände viele, besonders junge Menschen lesen.
Irma Schwager
Grünzweig, Walter/Seeber, Ursula (Hg.): Fred Wander.
Leben und Werk. Bonn: Weidle-Verlag 2005
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