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Max Muchitsch (1919–2005)
Eine Woche nach dem 60. Jahrestag der Befreiung Österreichs, für die er mit
der Waffe in der Hand und unter dem Einsatz seines Lebens gekämpft hatte, am
Nachmittag des 14. Mai 2005, einen Tag nach seinem 86. Geburtstag, ist das
Vorstandsmitglied der Alfred Klahr Gesellschaft Max Muchitsch, der letzte
Überlebende der Partisanengruppe Leoben-Donawitz, verstorben.
Max Muchitsch wurde 1919 in Villach, als Sohn eines Eisenbahnschlossers geboren.
Aufgewachsen in einem sozialdemokratischen Elternhaus und Umfeld, lernte der
junge Max bereits früh die Entbehrungen kennen, denen die Arbeiterklasse
ausgesetzt war. Nach dem Abschluss der Hauptschule war es für ihn unmöglich eine
Lehrstelle zu finden. Bereits seit 1927 Mitglied der Roten Falken, trat er 1933
dem Kommunistischen Jugendverband bei und baute eine Ortsgruppe in Villach auf.
Wegen kommunistischer Betätigung wurde er 1936 verurteilt, nach einigen Monaten
mit der Auflage einer fünfjährigen Polizeiaufsicht amnestiert. Bereits in dieser
Zeit kam er in die Obersteiermark, nach Vordernberg, wohin sein Vater versetzt
worden war. Im März 1939 Einberufung zum Reichsarbeitsdienst und im Oktober
desselben Jahres zur deutschen Wehrmacht. Versuche an der Ostfront im Jahr 1941
zur Roten Armee überzulaufen scheiteten drei Mal. Am 12. August 1941 wurde Max
Muchitsch durch eine Handgranate schwer verwundet und verlor seinen linken
Oberarm. Es folgten längere Lazarett-Aufenthalte. Nach seiner Entlassung aus dem
Spital nahm er neuerlich die illegale kommunistische Widerstands- und
Organisationstätigkeit in der Obersteiermark auf. Beruflich leitete er das
Internat der Werksschule des Hüttenwerkes Donawitz. Einer drohenden Verhaftung
durch die Gestapo im April 1944 entzog er sich durch Flucht zu den
obersteirischen Partisanen, in deren Reihen er für das Wiedererstehen eines
freien, unabhängigen und antifaschistischen Österreich kämpfte.
Neben dem unter Einsatz seines Lebens geführter Partisanenkampf um die Befreiung
Österreichs zeichnet auch seine Tätigkeit zur Sicherung der notwendigen
ökonomischen Grundlagen für den Wiederaufbau Muchitsch als österreichischen
Patrioten aus. So verhinderte er gemeinsam mit Sepp Filz am 8. Mai 1945 die von
der SS vorbereitete Sprengung der Werksanlagen des Hüttenwerkes Donawitz und
organisierte mit bewaffneten Arbeitern die Entwaffnung der NS-Werksschutzmänner.
Noch am selben Tag wurde ein so genannter „Dreierausschuss“ aus KPÖ, SPÖ und
Christlichsozialen gebildet, in dem die KPÖ durch Sepp Filz vertreten war.
Dieser Ausschuss übte in der Folgezeit die provisorische Verfügungsgewalt in
Leoben aus. Max Muchitsch kehrte wieder an seinen alten Arbeitsplatz als
Heimleiter nach Donawitz zurück. Diese historischen Leistungen von Muchitsch und
seinen Mitkämpfern wurde bald darauf bewusst verdrängt und vergessen, Männer wie
Muchitsch ins gesellschaftliche Abseits gestellt. Er selbst war in den ersten
Nachkriegsjahren viele Jahre kommunistischer Angestelltenbetriebsrat im
Hüttenwerk Donawitz. Von der Werksschule kam er ins Blechwalzwerk in die
Blechavisierung, nach dessen Auflassung in den 1960er Jahren übersiedelte er zur
Ladungserfassung ins Feinwalzwerk. 1979 ging er in Pension. Bis zu seiner
Pensionierung war er im Werk als Vertrauensmann des Gewerkschaftlichen
Linksblocks tätig. Bis zu seinem Schlaganfall 1997 gehörte er dem
Bezirkssekretariat der KPÖ Leoben an. Max Muchitsch war Träger der
Befreiungsmedaille und der Auszeichnung „Kämpfer gegen den Faschismus“ der DDR.
Dem Vorstand der Alfred Klahr Gesellschaft gehörte er seit ihrer Gründung 1993
an.
Max Muchitsch war auch Chronist, Volksbildner und Impulsgeber einer jüngeren
Generation von WissenschafterInnen, welche sich mit der Partisanengruppe
Leoben-Donawitz, der Österreichischen Freiheitsfront, dem antifaschistischen
Freiheitskampf im Allgemeinen und dem kommunistischen Widerstand im Besonderen
auseindersetzten und auseinandersetzen: Nicht zuletzt sein im Europa-Verlag
erschienenes Büchlein „Die Partisanengruppe Leoben-Donawitz“ und sein
umfangreiches Werk „Die Rote Stafette“, sowie ungezählte Diskussionsabende,
überlieferte Videokassetten und von ihm organisierte Ausstellungen, so 1988 zum
Thema 50 Jahre „Anschluss“, legen davon Zeugnis ab.
Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 2/2005
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