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Herbert Berger: Solidarität mit Chile. Die österreichische
Chile-Solidaritätsfront 1973-1990. Wien: Verband Wiener Volksbildung - Edition
Volkshochschule 2003, 141 S., 10 Euro
Vor dreißig Jahren wurde die sozialistische Regierung Salvador Allendes in
Chile durch einen militär-faschistischen Putsch gestürzt. Siebzehn Jahre
konnte sich diese Diktatur, vor allem durch die Unterstützung der USA halten.
Sie ermordete tausende Anhänger der Unidad Popular und anderer linker Gruppen
und zwang zehntausende Chilenen ins Exil. Geschätzte 1500 Flüchtlinge konnten
in Österreich überleben. Den hervorragendsten Anteil an der Erwirkung des
Asyls, der Unterbringung und Betreuung dieser Flüchtlinge hatte die österreichische
Chile-Solidaritätsfront.
Der ehemalige Vorsitzende der Chile-Solidaritätsfront, Herbert Berger, hat
rechtzeitig zum dreißigjährigen Gedenken an diese tragischen Ereignisse ein
Buch über die österreichische Chile-Solidaritätsfront veröffentlicht, in dem
die Geschichte dieser in der Geschichte der Zweiten Republik einmaligen
Organisation von ihrer Gründung 1973 bis zu ihrer Auflösung 1990 dargestellt
wird.
In ihr spiegelt sich nicht nur das Engagement und die Mobilisierung zahlreicher
Aktivisten einer weltweiten Solidaritätsbewegung mit den Verfolgten und dem
chilenischen Volk, sondern unter den spezifischen österreichischen Bedingungen
die Möglichkeit und Wirksamkeit eines stabilen Zusammenwirkens von
KommunistInnen, SozialistInnen und christlichen Gruppen für antifaschistische
und antiimperialistische Solidarität, einer Bündnisstruktur, die auf neuartige
Weise erst wieder in der globalisierungskritischen Bewegung als Massenbewegung
wirksam geworden ist.
Herbert Berger, der selbst zur Zeit der Regierung Allendes als christlicher
Missionar und Entwicklungshelfer in Chile war und nach dem Putsch in die österreichische
Botschaft flüchten musste, zeichnet diese Zusammenarbeit, aber auch ihre
Widersprüche nach. Die Vertreter der Sozialisten konnten erst nach einem
schweren Konflikt mit der SPÖ- Parteiführung in der Chile-Solidaritätsfront
mit den Vertretern der KPÖ mitwirken. Das strikte Verbot der Zusammenarbeit auf
der Grundlage der "Eisenstädter Erklärung" Kreiskys von 1967 wurde
schließlich in eine Duldung der Zusammenarbeit in "humanitären und
kulturellen Anliegen" umgewandelt.
Immerhin gehörten dem Vorstand der Chile-Solidaritätsfront nicht nur Vertreter
des ZK der KPÖ und der kommunistischen Jugend- und Studenten an, sondern auch
heute so illustre Namen wie Michael Häupl (damals Junge Generation) und Werner
Faymann (Sozialistische Jugend).
Die Aktivitäten der Chile-Solidaritätsfront entwickelten sich in alle
Richtungen einer umfassend politisch verstandenen Solidaritätsarbeit. Deren
Auflistung umfassen in Herbert Bergers Buch immerhin 25 Seiten. Sie erreichten
schließlich eine Wirksamkeit, dass sie auch in die österreichische
Innenpolitik eingreifen konnte. Den größten Erfolg verzeichnete die
Chile-Solidaritätsfront in dieser Hinsicht 1980 in der Verhinderung des von der
Regierung Kreisky bereits genehmigten Panzerexports ins Chile Pinochets.
Herbert Berger fasst sein Resümee im Vorwort seines Buches zusammen:
"Chile war das erste Land des Neoliberalismus, er wurde unter den Verhältnissen
der Pinochetdiktatur der Bevölkerung aufgezwungen. So brachte das Ende der
Diktatur zwar eine formale Demokratie, aber die "soziale Schuld", von
der nach der ersten demokratischen Wahl die Rede war, wurde bis heute nicht
eingelöst. Die Verbrechen der Diktatur sind weitgehend ungeklärt und nach wie
vor straffrei geblieben.
Dennoch, der Kampf des chilenischen Volkes und die Solidaritätsarbeit mit Chile
waren erfolgreich, die Diktatur musste aufgeben. Und diesen Erfolg dürfen wir
trotz der heute gegebenen globalen neoliberalen Unterdrückung und Ausbeutung
mit völlig anderen Methoden nicht klein reden... Der Kampf des chilenischen
Volkes und die Solidaritätsarbeit mit Chile sind heute rückblickend ein
wichtiges Beispiel für das, was das "pueblo unido" imstande ist, was
organisierte und gemeinsam agierende Menschen erreichen können. Der Erfolg
dieser gemeinsamen politischen Arbeit gibt uns, ebenso wie viele andere Entwürfe,
Aktionen und Bewegungen, die Hoffnung, die heute durch den Neoliberalismus
gegebenen Herausforderungen einmal bestehen zu können."
Herbert Berger ist es gelungen ein Stück Geschichte des "anderen Österreich"
zu schreiben. Sein sachlicher und faktenreicher Bericht ist letztlich auch eine
Würdigung des hervorragenden Anteils der KommunistInnen daran. Das Buch ist
Josef Hindels und Bruno Furch gewidmet, die seine Stellvertreter im Vorsitz der
Chile-Solidaritätsfront waren.
Michael Graber
Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 4/2003
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