Klahr    Alfred Klahr Gesellschaft

Verein zur Erforschung der Geschichte der Arbeiterbewegung

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Hans Landauer: Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936–1939. Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2003

Das von Hans Landauer in Zusammenarbeit mit Erich Hackl im Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft erschienene „Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer“ mag auf den ersten Blick dem Titel nach vielleicht als Nachschlagwerk für einen kleinen Kreis am Thema interessierter „SpezialistInnen“ erscheinen. Mehr als erfreulich ist, dass dies seit dem Erscheinen dieses Bandes im September 2003 mehrfach widerlegt wurde. So widmete die Tageszeitung Kurier diesem Zeugnis antifaschistischen Widerstands und Internationalismus’ einen zweiseitigen Artikel, schon in der ersten Woche nach der Veröffentlichung war in einigen Buchhandlungen das erste Kontingent ausverkauft, und der Barocksaal des Alten Rathauses in Wien war fast zu klein, um all jene aufzunehmen, die zur Buchpräsentation gekommen waren.
Hans Landauer, der 16-jährig von zu Hause ausgerissen war, um als jüngster Österreicher in den Reihen der Internationalen Brigaden zu kämpfen, hatte es sich als er 1983 in Pension ging zur „Lebensaufgabe“ gemacht, den Kampf jener ÖsterreicherInnen zu dokumentieren, die in beispielloser internationaler Solidarität der spanischen Republik gegen den Franco-Faschismus zur Hilfe eilten.
Zwei Jahrzehnte trug Landauer biographische Daten, Fotos und Materialien über 1380 nunmehr namentlich erfasste österreichische Freiwillige im Spanischen Bürgerkrieg zusammen, die nicht nur im Lexikon erfasst sind, sondern auch im beim Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes angesiedelten Archiv der Österreichischen Spanienkämpfer eingesehen werden können. In all den Jahren recherchierte er u.a. in Archiven und Gemeindeämtern in Österreich, Spanien, Deutschland und der Schweiz, wobei er sich bemühte, die weiteren Stationen der InterbrigadistInnen nach dem Ende des spanischen Bürgerkriegs und auch nach 1945 festzuhalten. Stationen, die über französische Lager, Gefängnisse, deutsche Konzentrationslager und antifaschistischen Widerstandskampf führten und über die 260 in den Kämpfen in Spanien Gefallenen hinaus noch weitere Opfer forderten.
Mit der Einführung zum Lexikon gibt Hans Landauer notwendige Hintergrundinformationen, die aus den Einzelbiographien nicht herauszulesen sind. Die einzelnen Kapitel berichten unter anderem über die ersten Freiwilligen, die Transportorganisation, die Einsatzgebiete der ÖsterreicherInnen, die Frauen im Sanitätsdienst, die Spanienkämpfer in den deutschen Konzentrationslagern, das Exil in Großbritannien und der Sowjetunion.
Das nun vorliegende „Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer“ ist eine unschätzbare Grundlage für die weitere Beschäftigung und Erforschung dieses Themas. Die biographischen Angaben – auch wenn sie in manchen Fällen spärlich sein mögen – lassen die einzelnen Menschen mit ihrem ganz persönlichen Lebensweg und ihrer Parteinahme für gesellschaftliche Verantwortung aus der Anonymität eines Namens oder statistischer Angaben hervortreten. Wichtig auch, dass mit Hans Landauer ein „Augenzeuge“ dieses Buch veröffentlicht hat. Denn manches, was vielleicht subjektiv erscheinen mag, wäre bei einer Aufarbeitung durch nachfolgende „objektive“ HistorikerInnengenerationen möglicherweise verlorengegangen.
Das Lexikon ist somit eine Aufforderung, mit Ergänzungen und gegebenenfalls auch Korrekturen weiter zu diesem Thema recherchieren und die in verschiedenen Archiven und Publikationen vorhandenen Informationen in kooperativer Weise zusammenzuführen. Die von den SpanienkämpferInnen vorgelebte Solidarität würde so wohl am würdigsten hochgehalten werden.

Irene Filip

Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 1/2004

 

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